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Marktreport

Sechs Projekte beweisen: Serielles Bauen funktioniert – im Neubau wie in der Sanierung

Siegfried Steigmann
Siegfried Steigmann
Geschäftsführer · SSR GmbH & Co. KG
12. Juli 2026 9 Minuten Lesezeit

Wer über serielles Bauen spricht, hört oft: „schöne Theorie". Falsch. In Stuttgart, München, Dresden und Hamburg steht der Beweis längst als fertiger Wohnraum – Tausende Menschen wohnen bereits darin. Sechs Projekte zeigen, wie schnell, wie günstig und wie klimastark vorgefertigtes Bauen ist. Und warum daraus der größte Sanierungsmarkt des Jahrhunderts wird.

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Serielles Bauen heißt: Der Großteil der Arbeit passiert nicht mehr auf der Baustelle, sondern in der Werkshalle. Wände, Decken, ganze Fassaden entstehen millimetergenau vorgefertigt und werden vor Ort nur noch montiert – witterungsunabhängig, planbar, in Tagen statt Monaten. Was lange als Nische galt, hat sich in den letzten Jahren zu handfesten Großprojekten ausgewachsen. Sechs davon sagen mehr als jede Broschüre.

Das Thema kurz und kompakt

  • Es steht schon: In Stuttgart (330 WE), München (198 WE), Dresden (74 WE) und Hamburg (44 WE) wohnen Menschen bereits in seriell und modular gebauten Häusern.
  • Es geht schnell: Drei Stuttgarter Wohngebäude in sechs Monaten, ein Hamburger Rohbau in neun Wochen, eine serielle Sanierung in Mönchengladbach in vier Monaten.
  • Es spart massiv Energie: Eine Fraunhofer-Modulfassade senkte den Verbrauch rechnerisch von 3.200 auf 600 GWh – rund 81 Prozent.
  • Der Markt ist gewaltig: 21 Mio. Gebäude, nötige 2.000 Sanierungen pro Tag (dena) – rund viermal so viele wie heute.

Der größte Bauauftrag des Jahrhunderts

Auch um die Klimaziele zu erreichen, müssen vor allem bestehende Gebäude saniert werden – und zwar in sehr viel größerer Zahl als bisher. Rund 21 Millionen Gebäude gibt es in Deutschland. Pro Tag müssten laut Deutscher Energie-Agentur (dena) etwa 2.000 Häuser saniert werden, um sie rechtzeitig klimaneutral zu machen. Das sind rund viermal so viele wie bisher. Die Sanierungsquote dümpelt bei etwa einem Prozent pro Jahr.

Diese Lücke schließt niemand mit Gerüst, Eimer und Kelle. Sie schließt nur, wer die Gebäudehülle industriell vorfertigt und in der Fläche schnell montiert. Genau das leisten die folgenden Projekte – und genau da setzt SSR an. Wie groß der Anteil ist, den ein Betrieb daran heben kann, lässt sich im SSR-Marktpotenzial-Rechner Regler für Regler durchspielen.

Stuttgart: 330 Wohnungen aus Holzmodulen

Am Prießnitzweg in Stuttgart-Bad Cannstatt entsteht eines der größten Holzmodul-Wohnprojekte Deutschlands: 330 Personalwohnungen für Mitarbeitende des Klinikums. Der entscheidende Satz steht im Bautagebuch: Drei Wohngebäude mit 157 Wohnungen wurden in nur sechs Monaten von der Anlieferung der Module bis zur Fertigstellung errichtet. Bauherr ist die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG), gebaut haben AH Aktiv-Haus und WOLFF & MÜLLER.

Der Energiestandard: Effizienzhaus 40 Plus, mit Sole-Wasser-Wärmepumpen, Photovoltaik, Solar-Hybridkollektoren und Batteriespeicher – ein Quartier, das im Jahresmittel mehr regenerative Energie erzeugt, als es verbraucht. Geschäftsführer Hubert Nopper bringt das Prinzip auf den Punkt: „Modulbauten sind auch deshalb attraktiv, weil sie sich wie Autos konfigurieren lassen."

München: 198 Wohnungen aus Systemelementen

Im Münchener Stadtteil Harthof stehen seit Oktober 2022 198 Wohnungen in fünf Gebäuden – termingerecht fertig, industriell aus vorgefertigten Systemelementen errichtet von Goldbeck für die städtische GWG. Alle Wohnungen barrierefrei, mit Fußbodenheizung, dreifachverglasten Fenstern und einer Dämmung aus Steinwolle, die nicht brennbar und zu 100 Prozent recyclebar ist.

Goldbeck-Niederlassungsleiter Richard Greß: „Hier am Harthof erkennt man sehr gut, wie schnell auch ein so großes Bauvorhaben dank unserem elementierten Bauen mit System realisierbar ist." Nebenbei zogen 130 Nistkästen für Mauersegler, Sperlinge und Fledermäuse in die Fassaden ein – abgestimmt mit der Naturschutzbehörde.

Dresden: modular, aber keine Platte

Auf einer seit 2003 brachliegenden Fläche in Dresden – entstanden nach dem Rückbau mehrerer Plattenbauten – baute Vonovia mit dem Generalunternehmer ALHO 74 Wohnungen aus 183 Modulen. Die Kunst dabei: eine Architektur zu finden, die vom Bild der DDR-Platte deutlich abrückt. Satteldächer statt Flachdach, unterschiedliche Trauf- und Sockelhöhen, ein Gebäudeknick zur Gliederung.

Architekt Reinhard Mayer: „Das ALHO Modulbau-System verfügt über eine sehr hohe Flexibilität." Und zum Kernvorteil: „Die kurze Bauzeit ist ein entscheidender Vorteil, ebenso die Unabhängigkeit von Witterungsverhältnissen. Da die Module unter optimalen Herstellungsbedingungen gefertigt werden, garantieren sie eine hohe Qualität." Modulbau, der dem Massivbau mindestens ebenbürtig ist.

Hamburg: der 8-Euro-Holzbau

In Hamburg-Neugraben zeigt ein IBA-Modellprojekt, wie bezahlbarer Wohnraum aus Holz geht: 44 Wohnungen in vorelementierter Brettsperrholz-Bauweise, garantierte Netto-Kaltmiete von 8 €/m² – dort, wo Erstbezug sonst 12 bis 15 € kostet. Der komplette Rohbau war in neun Wochen montiert.

Möglich wurde das, weil vermeintlich gesetzte Standards hinterfragt wurden: keine Unterkellerung, sichtbare Holzoberflächen statt teurem Innenausbau, sich wiederholende Grundrisse. Und die Klimabilanz: In den rund 1.268 m³ verbautem Holz sind über 1.162 Tonnen CO₂ gespeichert. Ökonomie und Ökologie, die zueinanderfinden.

Die Fassade, die sich selbst versorgt

Das vielleicht wichtigste Projekt für die Sanierung kommt aus der Forschung. Fraunhofer IBP und IEE haben mit Implenia eine EE-Modulfassade mit integrierter Anlagentechnik entwickelt: Wärmepumpe, Photovoltaik und Lüftung stecken im geschosshohen Fassadenmodul. Projektleiter Jan Kaiser: „Wir renovieren nicht das komplette Gebäude, sondern nur die Fassade. Die alte Fassade wird künftig durch neue industriell vorgefertigte Module mit integrierter Anlagentechnik ersetzt."

Das Ergebnis ist eine Ansage: Für einen Bestand alter Bürogebäude sinkt der Verbrauch rechnerisch von 3.200 auf 600 Gigawattstunden – rund 81 Prozent weniger. Der Austausch dauert nur wenige Stunden, es braucht keine neuen Rohre im Gebäude, nur einen Stromanschluss. Die Bewohner müssen nicht einmal ausziehen. Genau dieses Prinzip – Technik in die vorgefertigte Hülle, Montage in Stunden – ist die Zukunft der Sanierung.

Experten-TippDer größte Hebel steckt nicht im Neubau, sondern im Bestand. Nur etwa ein Prozent der Gebäude wird pro Jahr saniert – wer diese Quote mit vorgefertigten Fassaden hebt, bedient einen Markt, der auf Jahrzehnte nicht abreißt.

Serielle Sanierung live: vier Monate

Dass das nicht nur im Neubau klappt, zeigt ein Pilotprojekt in Mönchengladbach: Von der digitalen Vermessung im September bis zur schlüsselfertigen Übergabe im Dezember vergingen vier Monate. dena-Experten rechnen vor, dass ein Mehrfamilienhaus mit 20 Wohneinheiten theoretisch in zwei Monaten saniert werden kann – mit nur einem Tag Montage vor Ort. Die Bewohner werden dabei nicht monatelang durch Lärm, Dreck und Gerüste belastet.

Der wirtschaftliche Turbo heißt Förderung: Über die BEG gibt es einen Bonus für serielles Sanieren von 15 Prozentpunkten, kombinierbar mit EE-Klasse und Worst-Performing-Building – bis zu 40 bis 45 Prozent Zuschuss. Mehr dazu auf der Förderseite.

Sechs Leuchttürme des seriellen und modularen Bauens
ProjektEinheitenBauweiseBesonderheit
Stuttgart-Cannstatt330 WEHolzmodul3 Gebäude in 6 Monaten, EH 40 Plus
München-Harthof198 WESystemelementeKfW 55, barrierefrei, 130 Nistkästen
Dresden-Reick74 WERaummodul (ALHO)183 Module, Satteldach statt Platte
Hamburg-Neugraben44 WEBrettsperrholzRohbau in 9 Wochen, 8 €/m², 1.162 t CO₂
Fraunhofer-Modulfassade–81 %EE-Fassade + Technik3.200 → 600 GWh, Montage in Stunden
Mönchengladbach4 MonateSerielle Sanierung1 Tag Montage vor Ort möglich

Was das für SSR heißt

Diese Projekte beweisen das Verfahren. Was sie nicht lösen, ist die Fläche: Große Systemhersteller bauen Leuchttürme, aber nicht jedes Mehrfamilienhaus in jeder Stadt. Genau diese Lücke füllt SSR – nicht, indem es gegen die kleinen Handwerksbetriebe der Region antritt, sondern indem es sie zu Montage-Partnern macht und mitverdienen lässt. Serielle Elemente, Planung, Bauleitung und Qualitätsmanagement kommen von SSR; die Montage übernehmen ausgebildete Partnerbetriebe. Das ist kapitalarm, schnell skalierbar – und macht Freunde statt Wettbewerber.

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Gebäude in Deutschland21 Mio.
Nötige Sanierungen pro Tag (dena)2.000
Heute geschafft~500 pro Tag
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Häufige Fragen

Ja. In Stuttgart (330 Wohnungen), München-Harthof (198), Dresden (74) und Hamburg (44) steht serieller und modularer Wohnraum bereits als fertiges Gebäude. In Mönchengladbach wurde ein Bestandsgebäude in vier Monaten seriell saniert.
In Stuttgart wurden drei Wohngebäude in sechs Monaten von Anlieferung bis fertig errichtet, in Hamburg ein kompletter Rohbau in neun Wochen. Eine serielle Fassadensanierung ist theoretisch in zwei Monaten möglich, mit nur einem Tag Montage vor Ort.
Deutschland hat rund 21 Millionen Gebäude. Laut Deutscher Energie-Agentur müssten etwa 2.000 pro Tag saniert werden – viermal so viele wie heute. Die Sanierungsquote liegt bei rund 1 Prozent pro Jahr. Im SSR-Rechner lässt sich der eigene Anteil durchspielen.
Eine Fraunhofer-Modulfassade mit integrierter Wärmepumpe, Photovoltaik und Lüftung senkte den Verbrauch eines Bürogebäude-Bestands rechnerisch von 3.200 auf 600 Gigawattstunden pro Jahr – rund 81 Prozent.

Quellen

  1. QUARTIER-Magazin: „Modulbau-Großprojekt in Stuttgart". magazin-quartier.de
  2. QUARTIER-Magazin: „Industriell vorgefertigte Systemelemente – bezahlbarer Wohnraum in Serie" (München-Harthof). magazin-quartier.de
  3. QUARTIER-Magazin: „Modulbau in Dresden – modular und seriell und doch keine Platte". magazin-quartier.de
  4. QUARTIER-Magazin: „Wohnbau in vorelementierter Holzbauweise – Modellprojekt für bezahlbares Wohnen" (Hamburg). magazin-quartier.de
  5. QUARTIER-Magazin: „Innovative und energieeffiziente Fassadensanierung – Modulfassade mit integrierter Anlagentechnik". magazin-quartier.de
  6. QUARTIER-Magazin: „Serielle Sanierung" (dena, Energiesprong, Mönchengladbach). magazin-quartier.de
  7. Deutsche Energie-Agentur (dena) & Umweltbundesamt: „Serielle Sanierung in Europa und Deutschland".

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